Kommt mit, ich zeig‘ Euch den Brauthimmel!

„You would look gorgeous in this dress“, brüllt mir ein Amerikaner allen Ernstes aus seinem Minivan zu. „Thank you“, rufe ich freudestrahlend zurück, während ich vor Kleinfeld Bridal stehe und das Schaufenster fotografiere. Der Mann im Auto kann ja nicht wissen, dass ich hier gleich wirklich ein „appointment“ habe und das Designerkleid aus der Dekoration tatsächlich anprobieren könnte.

Schaufenster Kleinfeld Bridal New York

Langsam steigt die Aufregung in mir hoch. Melanie allein in New York bei Kleinfeld Bridal. Es ist 16 Uhr an diesem 1. Adventssonntag und „One of the top bridal destinations in the world“ bekannt aus der TV-Show „Say yes to the dress“ erwartet mich. Wie soll man da auch ruhig bleiben?

Kennt Ihr Kleinfeld Bridal überhaupt? Ich nenne es auch den Brauthimmel. Tausende Kleider der weltbesten Brautkleid-Designer von Alberta Ferretti bis Yumi Katsura sind hier in Manhattan vertreten. Ständig sind rund 200 hochmotivierte Mitarbeiter wie Stylisten, Brautkleid-Berater, Schneider, Perlensticker, Bügler usw. damit beschäftigt zukünftigen Bräuten zu ihrem Kleid zu verhelfen. Jedem Kleid werden über 30 Stunden persönliche Aufmerksamkeit geschenkt, bis es für die Braut zu einer 2. Haut wird. Und das seit über 60 Jahren. Wahnsinn, oder?

Nach dem netten Empfang am Counter bekomme ich noch den kostelosen W-Lan-Zugang überreicht. Kleinfeld ist natürlich auf allen Social Media Kanälen vetreten und man freut sich, wenn Bräute und ihre Begleitungen twittern, instagrammen, facebooken und pinteresten was das Zeug hält. Kurze Zeit später kommt mein persönlicher Bridal Consultant Katie mit einem Klemmbrett um die Ecke, das alle meine Daten enthält. Mit ihr bekomme ich gleich eine Doppel-Expertin, denn sie hat vor Kurzem selbst in einem Kleid von Kleinfeld Bridal geheiratet.Kleinfeld Bridal Klemmbrett

Katie führt mich durch den atemberaubenden Showroom, in dem einige Bräute samt Entourage versammelt sind, in Kabine Nr. 25. Wobei… Kabine ist der falsche Ausdruck. Es ist ein Raum mit einem feststehenden Podest und einem riesigen, dreiteiligen Spiegel. Neben etwas Smalltalk stellt Katie auch gezielte Fragen wie ich mir mein Kleid vorstelle. Zu meiner Beschreibung, mit der ich in Deutschland ziemlich oft auf Unverständnis gestoßen bin, sagt sie begeistert „I love it!“.

Dann möchte sie sogar Fotos von Kleidern sehen, die mir gefallen. Meine Kleider-Collage, die in Hamburg nur abfällig belächelt wurde, hätte ich jetzt gut gebrauchen können. Statt dessen zeige ich ihr einige Handyfotos. Anders als in deutschen Brautmodenläden sucht sie nämlich die Kleider nach meiner Schilderung und dem genannten Budget für mich raus. Katie verschwindet in den heiligen Hallen auf der Suche nach meinem Traumkleid. Ich soll mich in dieser Zeit in die Corsage und den hellgrauen Seidenmorgenmantel schmeißen, der für mich bereit hängt.

Kleinfeld Bridal - die Anprobe

Fast vergessen sind meine schrecklichen Erlebnisse in deutschen Brautmodenläden, die sich hier gleich mehrere, dicke Scheiben abschneiden könnten. Katies Aussagen wie „You’ve got a silhouette like Marilyn Monroe.“ und „I like your porcelain skin.“ relativieren endlich solche Frechheiten wie die „ausladenden Hüften“, die ich mir in Hamburg bieten lassen musste.

Einige Zeit später taucht mein Bridal Consultant wieder auf und hat drei tolle Kleider dabei, die alle meiner Beschreibung entsprechen. Ich schlüpfe in das 1. Kleid, das angezogen nicht so mein Fall ist. Das 2. schon eher. Das 3. wird es auch eher nicht. Kein Problem. Katie holt ganz selbstverständlich noch mal zwei weitere Kleider. Hier ist wieder ein ganz Schönes dabei. Draußen hört man plötzlich Applaus und Gejubel. „Seems that somebody said yes to the dress“, sagt Katie. Dann schlägt sie vor, dass wir doch mal in den großen Showroom gehen könnten. Da sei das Licht noch besser. Und der Spiegel. Und überhaupt. Ich folge ihr gern überall hin, wenn ich nur nicht wieder in deutsche Brautmodenhöllen muss…

Kleinfeld Bridal

Dort angekommen kann ich mich in einem noch größeren Spiegel mit Tageslichtbeleuchtung betrachten. Katie bleibt die ganze Zeit an meiner Seite und horcht vorsichtig in mich hinein, ob das mein Kleid sein könnte. Ich möchte eines der anderen Kleider noch einmal in diesem Spiegel betrachten. So machen wir’s und das gefällt mir dann auch am besten. Die Rede ist von einem Modell von Henry Roth für schlappe 2.400 Dollar. Ein Foto davon kann ich Euch leider nicht zeigen. Der Liebste liest ja mit! 😉

Katie macht einige Fotos von mir in den beiden Favoritenkleidern und schreibt mir die Modelle sowie ihre Kontaktdaten auf. Da ich noch fast eine Woche in der Stadt bin, habe ich noch Zeit mir die Fotos anzusehen und mich in Ruhe zu entscheiden. Das Kleid würde sowieso komplett neu bestellt (auch das ist in Deutschland meist nicht der Fall) und dann angepasst werden. Alles überhaupt kein Problem und der ganz normal Kleinfeld Service. Den Rest des Tages verbringe ich mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Dem Brauthimmel sei Dank!

Ob ich mich für das Kleid aus New York entschieden habe, fragt Ihr Euch jetzt? Lasst es mich so sagen: Ich hatte von Anfang an ein konkretes Bild von meinem Kleid UND die hehre Vorstellung, dass man sicherlich in Tränen ausbricht und dadurch weiß, dass es DAS Kleid ist. Doch so ging es mir bei keinem der 100 Kleider (!!!), die ich zwischen München und New York anprobiert habe. Vielleicht sind es deshalb auch so viele geworden. Manche Anproben hätte ich lieber gelassen, andere habe ich dafür als sehr schön und kompetent empfunden.

Die lange Suche und vor allem der alles in den Schatten stellende Anprobetermin bei Kleinfeld Bridal haben sich in jedem Fall gelohnt. Im Endeffekt ist es doch ein Kleid aus Deutschland geworden. Und ich freue mich so wahnsinnig auf den Tag, an dem ich es endlich an der Seite von Mr. Right tragen kann!

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