Ein Ring ihn zu knechten oder „Wo sind hier die Ringe mit den Special Effects?“

Während sich die Brautkleidsuche weiter hinzieht und die ungeheuerlichen Erlebnisse dabei kein Ende nehmen, haben wir parallel schon mal die Ringsuche gestartet. Mein Exemplar Mann trägt ja keinen Schmuck. Keine Uhr (die, die ich ihm geschenkt habe, versauert im Nachtschrank), keine Kette, keine Krawattennadel, kein gar nix. Daher hat Mr. Right auch so seine Schwierigkeiten sich mit einem Ring anzufreunden – und wenn es auch der Ehering ist.Eheringe

Einen Vorteil hat er aber doch: Durch die Verlobungsringsuche kennt er sich schon mit Materialien, Ringprofilen, Steinen, Juwelieren und Verkäufern aus. Ähnlich der Brautkleidsuche gab es seinen Erzählungen nach wohl sehr unterschiedliche Verkaufsgespräche, die sich vor allem nach seiner Garderobe richteten. War er im Anzug nach Feierabend los, wurde er freundlichst und ausgiebig beraten. Auch die Preise waren ausgiebig. War er casual unterwegs, ist man mit ihm schon mal nach draußen vor das Schaufenster gegangen, tippte auf einen Ständer mit x-beliebigen Ringen und sagte „Das ist das was wir haben“. Freundlich und kompetent geht anders. Jetzt versuchen wir das mal zusammen.

Laden 1. Ein Freitag. Wir sind am Neuen Wall unterwegs. Wer Hamburg kennt, weiß, hier kann es schnell teuer werden. Aber wir wollen erst mal nicht auf Preise schauen, sondern auf Ringe. Zu einem Geschäft hatte ich auf einer kleinen Hochzeitsausstellung einen netten Kontakt. Hier treffen wir uns also nach Feierabend, sind beide jobbedingt recht chic gekleidet. Der schwer arbeitende Verlobte ist sichtlich geschafft vom Tag. Ich auch, aber der Anblick des funkelnden Schaufensters verschafft mir wieder einen gewissen Glanz in den Augen.

Wir sind die einzigen in dem kleinen, modernen Laden. Der Verkäufer ist in unserem Alter, erinnert sich dunkel an mich und wir plaudern auf Du und Du sehr nett über Fotografen, Brautkleider und und und. Die Ringe würden extra nach unseren Vorstellungen angefertigt werden. Von daher können wir auch was in Gold anprobieren, was dann halt in Weißgold bestellt werden würde. Totale Flexibilität. Erst probiere ich verschiedene Ringe an und entscheide mich für einige wenige Favoriten. Dann ist der Schmuckmuffel an der Reihe. Ihm passt keiner der Ringe, alle viel zu klein. So kann man(n) sich das natürlich schlecht vorstellen, ob das der Ring für’s Leben sein soll. An einem Ringkonfigurator wird unser individuelles Ringpaar zusammen gestellt. Der Preis ist sportlich, was vor allem an den Steinen liegt, die Madame sich da ausgesucht hat. Wir haben schon mal eine erste Vorstellung und wollen auf jeden Fall noch weiter gucken.

Laden 2. Ein Samstag. Hamburger Nieselwetter. 16 Uhr. Wir sind am Hauptbahnhof unterwegs. Der Liebste will eigentlich nach Hause und es sich vor der Sportschau schon mal mit ein paar Serien gemütlich machen. Nix da. Mir sind die vollen Straßen und das Wetter egal und ich überrede ihn noch mal schnell in einem Laden auf der Mönckebergstraße nach Ringen zu gucken. Seine Begeisterung hält sich in Grenzen. Wir werden vom Filialleiter, das verrät sein Namensschild, persönlich beraten (falls man das, was dann folgt, Beratung nennen kann). Der Herr erkundigt sich nach unserem Hochzeitsdatum. Ich sage ihm stolz, dass es Ende Mai soweit ist. Das sei ja noch ganz schön lange hin, bis dahin würde ja noch einiges Neues reinkommen, meint er. Soso, was denn, frage ich mich? Eckige Ringe? Ovale? Glow-in-the-dark-Ringe? Ringe mit integrierten Special Effects à la James Bond? Das geht ja schon wieder gut los, denke ich mir und vergewissere mich kurz, ob es irgendwo ne versteckte Kamera gibt. Mr. Right’s Blick spricht ebenfalls Bände und dass ich mal besser auf ihn gehört hätte, ihn auf direktem Weg nach Hause zu lassen.

Wir sagen was wir wollen: Weißgold, keinen Materialmix, wenig Schnickschnack und zeigen auf Ringpaare die unter Glas verschlossen sind. Mr. Right probiert einen matten Weißgoldring an, den er knapp über den Finger gewürgt bekommt – und dann nicht wieder ab. „In größeren Größen haben wir die Ausstellungsstücke leider nicht da“, nuschelt der desinteressierte, wortkarge Filialleiter, der sich die ganze Zeit mehr im Verkaufsraum umsieht als sich auf uns zu konzentrieren. Vielleicht könnte er liquider aussehende Kunden verpassen, die schon morgen heiraten und Expressringe brauchen? Hier werden wir jedenfalls nicht glücklich, nehmen aber trotzdem ein Angebot für ein Ringpaar mit, das uns noch mit am besten gefällt.

Zurück im Hamburger Nieselregen gesteht der Liebste mir, dass er gern mal von einer Frau beraten werden würde. Die könnten einfach viel besser beurteilen, was ihm steht. Der Herr der Ringe verlangt nach einer Frau. Ich reiche ihm also schon jetzt nicht mehr. Das geht ja gut los!

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