Der Preis der Schönheit: 1/2 Brautkleid, 960 Mark oder 96 Zigarettenschachteln

Kennt Ihr Leute, die Preise immer in irgendwas umrechnen? Meine Eltern rechnen gern noch mal alles in Mark um, Raucher in Zigarettenschachteln, Autofahrer in Tankfüllungen und ich derzeit in Brautkleider. So auch heute. Aber der Reihe nach…Herausforderungen bei der Brautkleidsuche

Auf Brautkleidsuche wird man nicht nur mit skurrielen Verkäuferinnen konfrontiert (was Ihr hier lesen könnt), sondern auch mit seinen eigenen Makeln. Bei der einen sind es die Rettungsringe, bei der anderen die speckigen Oberarme, bei der nächsten flusige Haare und bei manchen alles auf einmal. Bei mir ist es eine unschöne Ansammlung von blauen Äderchen auf der rechten Schulter, auf die ich auch relativ häufig  angesprochen werde.

Nun bringen es gefühlt 95% der aktuell sich auf dem Markt befindlichen Brautkleider mit sich, dass sie eine Corsage haben, sprich trägerlos sind. Will man keine Corsage, muss man auf komische Träger ausweichen, nen Bolero anziehen, sich verschleiern oder am besten gleich zu Hause bleiben. Tolle Spitzenoberteile, die die Schultern bedecken und wie ich sie mir vorgestellt hatte, sind eine Seltenheit. Jetzt sagt Ihr vielleicht: Lass das doch überschminken. Ist natürlich eine Option, aber eine mit Haken. Man ist ja doch viel am Umarmen bei so einer Hochzeit, und die beste Camouflage samt Fixierspray findet sich Dank Wärme und Schwitzen irgendwann an den Klamotten der Gäste wieder und nicht mehr auf meiner Schulter. Also muss Plan B her.

Vor drei Wochen ging ich daher zu einer Hautärztin und zeigte ihr die Laune der Natur, die sich von Geburt an auf meiner Schulter breit macht. Ich dachte an Verödung, so wie man es bei Besenreisern macht. Keine gute Idee, meinte Frau Doktor, da die Stelle dann doch zu nah an wichtigen Nerven und den Augen liege. Ah ok,  das leuchtete ein. Darüber hatte ich nicht nachgedacht. Jede zwielichtige Kosmetiktrulla mit Geschäftssinn hätte mein persönliches Google Maps wahrscheinlich sofort unterspritzt und mir hinterher die noch zwielichtigere Rechnung präsentiert. Nebenwirkungen inklusive. Nicht so Frau Doktor. „Hm, wir können es mal mit Lasern versuchen und schauen, ob das überhaupt was bringt. Das scheint mir doch recht tief unter der Haut zu liegen.“ Ein faires Angebot. Jede dann folgenden Sitzung würde 120 € kosten, die natürlich privat zu zahlen sei. Ich solle aber davon ausgehen, dass es mit 2 Sitzungen wahrscheinlich nicht getan ist. Ich rechnete: 240 € würde ich mir noch gefallen lassen, mehr eher nicht.

Zwei Tage später kam ich zum kostenlosen Probelasern wieder. Der Laser war auf die schwächste Stufe eingestellt und ich bekam eine Spezialbrille, um meine Augen zu schützen. Ich, die relativ gut Schmerzen aushält, war entspannt. Der Laser nicht. Schon beim ersten Schuss fühlte es sich an als würden 220 Volt durch meinen Körper sausen, die mich zusammenzucken ließen. Bei den nächsten fünf Schüssen war es nicht besser. Das soll ich 2-3 Sitzungen aushalten? Im Leben nicht… Einige Fotos wurden gemacht, damit wir in ein paar Wochen noch mal einen Vorher-/Nachher-Vergleich haben. Die gelaserte Stelle war  gerötet, aber Schmerzen hatte ich nicht. Nichtmal ein Pflaster brauchte ich.

In den nächsten zwei Wochen betrachtete ich meine Schulter immer wieder skeptisch. Ich hatte den Eindruck, dass die Äderchen an der gelaserten Stelle fast weg waren. Der Fotobeweis beim Kontrolltermin ergab das schließlich auch. Soweit so gut. „Gehen Sie mal davon aus, dass wir mindestens 4 Sitzungen brauchen.“, sagte Frau Doktor mit ernster Miene. Ich rechnete wieder: 480€ für einen Schönheitseingriff anlässlich unserer Hochzeit, die eh schon einiges kostet, nur damit ich ein Corsagekleid tragen kann, das ich eigentlich eh nicht will? Darauf gab es nur eine Antwort, die dann auch promt aus mir herausplatzte: „Das ist ja fast 1/2 Brautkleid, wenn nicht sogar noch mehr. Nein, danke.“ Frau Doktor hatte vollstes Verständnis und wünschte mir alles Gute für meine Hochzeit. Echt nett.

Auf dem Rückweg dachte ich: Mein Liebster liebt mich doch so wie ich bin. Mit meinem Perfektionismus, in was auch immer für einem Brautkleid, mit den Äderchen. Und das ist unbezahlbar.

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3 Gedanken zu “Der Preis der Schönheit: 1/2 Brautkleid, 960 Mark oder 96 Zigarettenschachteln

  1. @elbfrollein Der Erfahrung nach lassen auch mehr und mehr Männer operieren, mit dem Laser behandeln, etc. um schöner zu werden.

    Trotzdem aber eine gute Entscheidung – denn Schönheit und Ausstrahlung kommen letztlich doch von innen und ich kann mir nicht vorstellen, dass deine „Google Maps“ wirklich so schlimm aussehen, dass sie eine psychische Belastung für dich sind?

  2. Da hast Du Recht, Nicole. Eine psychische Belastung ist das für mich nicht. Ich bin halt bei der Brautkleidsuche immer wieder selbst darauf aufmerksam geworden und es hat mich einfach optisch gestört. Jetzt habe ich aber ein Kleid gefunden, dass die Stelle verdeckt und damit kann ich sehr gut leben.

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