Hafenrundfahrt mit Folgen

Ihr Lieben. Ich habe Euch meinen wundervollen Heiratsantrag bisher ganz vorenthalten. Geht ja gar nicht! Zu meiner Entschuldigung gab es den Blog „damals“ aber auch noch gar nicht. Wie es wahrscheinlich jede Frau von sich sagt, hatte ich den schöööööönsten Antrag, den man sich nur vorstellen kann. Es passte einfach alles. Es passte zu uns. Für den Abend vor unserem Mallorca-Urlaub sollte ich mir nichts vornehmen. Mein Freund hatte das nur deshalb angekündigt, weil ich eigentlich packen wollte. Er hatte wohl Angst, Bikini, Sonnenmilch und Reisekaugummis könnten mir am Abend dieses 24. Augusts 2012 wichtiger sein als sein liebevoll ausgesuchter Verlobungsring, von dem ich bis dahin noch nichts ahnte…Hafenrundfahrt

Natürlich fragte ich ihm Löcher in den Bauch: „Gehen wir essen?“ Er: „Hm, vielleicht ein bisschen.“ „Was soll ich anziehen?“ Er: „Nimm ruhig ne Jacke mit. Und Deine Kamera.“ Meine Kamera? Ich wurde stutzig, aber packte bereitwillig meine Spiegelreflex ein. Irgendwann saßen wir in der U3 Richtung Landungsbrücken. Mein leicht aufgeregtes Gegenüber war recht schweigsam und ich hatte den Eindruck, dass er sich sammelte. Sein Blick war nach rechts oben gerichtet, als würde er nach Worten suchen. „Alles klar?“, fragte ich. „Jaja“, behauptete er, doch nach über 5 Jahren Beziehung sah ich ihm an, dass das nicht ganz stimmte. Wir fuhren bis zu den Landungsbrücken und stiegen dort aus. „Haste jetzt ne Ahnung, wo wir hingehen?“ „Auf den Michel?“, vermutete ich, wohlweislich, dass er noch nie aufm Michel war und die Abendsonne schöne Bilder abgeben könnte. Daher vielleicht die Kamera? „Hatte ich auch überlegt, aber das isses nicht.“

Wir gingen Richtung Wasser. Ich überlegte anhand dem, was ich wusste, wo es statt dessen hingehen könnte. In den König der Löwen? Doch in ein romantisches Restaurant am Wasser? Letzterer Gedanke erledigte sich damit, dass wir bei Nordsee drei Fischbrötchen kauften. Fischbrötchen! Hä? Jetzt wusste ich gar nix mehr. Dann rückte er mit der Sprache raus. „Wir machen eine Hafenrundfahrt mit Torsten auf der Tanja. Nur wir beide.“ Nun war es raus. Für alle, die Torsten und Tanja nicht kennen: Torsten ist Kapitän der Barkasse Tanja. Einige Wochen zuvor hatten wir mit Torsten & Tanja eine ziemlich coole Sause mit der Uniclique meines Freunds gemacht. Daher kannten wir die beiden. Torsten war gut drauf und begrüßte uns. Mein Freund gab sich Mühe so zu tun, als wäre es das Normalste der Welt mit der Liebsten mal eben exklusiv eine Hafenrundfahrt zu machen. Mir schwante was. Wir beide ganz allein auf einer Barkasse? Das macht man nicht mal eben nur für’n bunten, netten Abend. Zumal wir den Hafen und die Speicherstadt als eingefleischte Hamburger gut kennen. Ich ließ mir nix anmerken und alles auf mich zukommen.

Es war ein lauer Sommerabend. Die Leinen wurden gelöst, wir nahmen am Heck Platz und fingen an unsere Fischbrötchen zu essen. Torsten machte auf Hafenrundfahrt und begann seine Touritexte abzuspulen: „Zu Eurer Linken seht ihr die Rickmer Rickmers, ein dreimastiges, stählernes Fracht- segelschiff, das heute ein Museum ist.“ Ah ja, interessant… „Hier liegt das Feuerschiff LV13. Im Maschinenraum finden regelmäßig Konzerte und Lesungen statt. Sogar feiern und übernachten kann man da.“ Spannend… Dann ging es in die Speicherstadt. Die Abendsonne hatte den roten Backsteinklinker der Speicherfassaden und das Wasser in ein warmes Licht getaucht. Unsere Fischbrötchen waren aufgegessen und Torsten stoppte zwischen zwei Speichern plötzlich nicht nur sein Touriprogramm sondern auch den Motor.

Mein Freund baute sich vor mir auf und setze zu einer Rede an. Den genauen Wortlaut weiß ich nicht mehr. Ich war dann doch zu perplex. Er fasste unsere gemeinsamen Jahre in treffende Worte und erzählte davon, wie wir zusammen die Welt bereist haben und wie er es zu schätzen weiß, dass ich ihm seine Freiheiten lassen, ihn mit all seinen Ecken, Macken und Kanten liebe und wie sehr er mich liebt. Dann ging er auf die Knie und präsentierte mir einen wundervollen Ring verbunden mit der alles entscheidenden Frage: „Willst Du mich heiraten?“ „Ja!!!“, platzte es überzeugt aus mir heraus. Mr. Right versicherte sich noch mal, ob ich auch wirklich will und steckte mir den Ring an den Finger. Er passte wie angegossen und war genauso, wie ich mir meinen Verlobungsring immer vorgestellt hatte. Weißgold, schlicht, mit einem Diamanten. Mein Groom to Be (sagt man das?) war etwas verdutzt, dass ich nicht weinte vor Freunde oder Ergriffenheit. Nicht mal feuchte Augen hatte ich. Und das, obwohl ich bei jedem Schrott im Fernsehen zu flennen anfange.

In einem der Speicher über uns hatten einige Leute unser Treiben beobachtet und gratulierten uns winkend. Torsten versicherte sich kurz, ob ich auch „ja“ gesagt hatte und brachte Tanja daraufhin mehrfach zum tuten. Dann brachte er Sekt und gratulierte uns ebenfalls. Statt seiner Kapitäns- stimme schallte jetzt James Last mit Biscaya aus Tanjas Lautsprechern. Das maritime Lied passte perfekt zur Situation. Mein Zukünftiger war erleichtert. Wir stießen mit Sekt an, ließen die Speicherstadt hinter uns und schipperten raus Richtung Övelgönne und Containerhafen. Er erzählte wie er mit Torsten alles eingefädelt hatte, dass er jetzt Diamantenexperte sei und so ziemlich alle Juweliere der Stadt kenne. Jetzt machte auch die Kamera Sinn. Mr. Right weiß einfach, wie gern ich besondere Momente festhalte. Also schnell noch ein paar Fotos vom Hafen gemacht. Nach einer Stunde legten wir wieder an den Landungsbrücken an. Torsten machte auch noch schnell ein Erinnerungsfoto von uns frisch Verlobten fürs Familienalbum.Verlobung im Hamburger Hafen

Uns war nicht ganz klar, wie man so einen Abend am besten beendet. Mitgenommen von den Eindrücken entschieden wir, erst mal einen Schnaps bei unserem Stammitaliener in der Osterstraße zu trinken und den Kellnern alles zu erzählen. Sie freuten sich für uns und aus dem geplanten Schnaps wurden zwei. Vor Ort entschieden wir zu Hause als erstes unsere Eltern, die jeweils nicht in Hamburg wohnen, anzurufen und ihnen alles zu erzählen. Mein Vater wollte erst den Telefon- lautsprecher nicht anstellen, weil er uns sonst schlechter verstehen würde. Nach einigen Überredungskünsten und dem Ruhigstellen meiner sich im Hintergrund unterhaltenden Mama, Schwester und ihrem Freund, machte er es dann aber doch. Und dann verstand er auch warum. Alle freuten sich mit uns. Auch bei den Eltern meines Zukünftigen war die Freude groß. Der älteste Sohn so gut wie unter der Haube nach über 6 Jahren wilder Ehe. Und ich auch. Immer wieder betrachtete ich an diesem Abend meine linke Hand und war einfach nur glücklich. Ein zufriedenes Grinsen und wohliges Gefühl stellte sich ein und ich begriff: So fühlt es sich also an verlobt zu sein.

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4 Gedanken zu “Hafenrundfahrt mit Folgen

  1. Hach, schön. Man möchte eigentlich noch mal zurückspulen und das Ganze von vorn erleben, oder? Damit man auch nichts vergisst… Und es ist so wichtig, sich an DIESEN Moment zu erinnern bei all dem Hochzeitstorten- und Kleider-Wahnsinn!

  2. Wie romantisch… Ich bin soooo neidisch, lebe ja selbst schon seit 13 Jahren in wilder Ehe und mein “Traummann” hat sich noch nichts einfallen lassen, um mir einen tollen Ring an den Finger zu stecken. Na ja, vielleicht wird das ja noch was in diesem Leben.

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