Wie ich ein Brautkleid suchte und Ungeheuerliches erlebte

Bei Brautkleidpreisen zwischen 1.000 und 2.000 € und vor dem Hintergrund, dass Frau idealerweise nur ein Mal im Leben ein Brautkleid kauft, sollte man meinen, dass einem nicht nur ein roter Teppich ausgerollt wird, sondern mehrere Verkäuferinnen einen umgarnen und alles in ihrer Macht stehende tun, damit man sein Traumkleid für den schönsten Tag im Leben findet. Mit dieser Einstellung und einer ausgedruckten Collage mit Kleidern, die mir gefallen, tingele ich also frohen Mutes von Brautmodenladen zu Brautmodenladen und versuche mein Glück. Selbstverständlich habe ich dort vorher Termine vereinbart. Sechs Brautmodengeschäfte schlauer bin ich nicht nur desillusioniert sondern enttäuscht. Offensichtlich entspricht mein Wunsch nach einem langen, schlichten, weißen Kleid nicht der Norm. Das was ich gezeigt bekomme, ist weit ausgestellt, glitzernd, schulterfrei, cremefarben, mit Tüll und hat selbstverständlich einen Reifrock, eine Schleppe und einen Schleier. Will denn jede Braut wie ein Sahnebaiser oder Gypsy aussehen? Ist meine Vorstellung so absurd? Auch von ausgerollten roten Teppichen und fähigen Verkäuferinnen weit und breit keine Spur. Im Gegenteil.

Ungeheuerliche Erlebnisse bei der Brautkleidsuche

In einem Laden bin ich nur 5 Minuten. „Hm, schwierig. So etwas haben wir nicht. Aber Sie können sich gern da hinsetzen und in unserem Katalog schauen, ob Ihnen was gefällt.“ Mir gefällt nix.

„Das steht Ihnen fantastisch“, sagt die Verkäuferin und steckt mir zum tülligen Cinderellakleid einen langen Schleier ins Haar. Das Kleid kratzt, rutscht, ist mind. 20 cm zu lang und mein Dekolletee und Fettfalten, die ich bis dahin noch nicht kannte, quillen heraus. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man daran so viel ändern kann, dass es mir passt, geschweige denn gefällt. Zu allem Übel hat die Verkäuferin laut eigener Aussage eine Allergie und tropft mir mehrfach mit ihrer Triefnase auf den Arm. Ich betrachte mich bei den Umkleidekabinen, die nicht größer sind als bei C&A, im Spiegel. Weitere drei Bräute nutzen diesen Spiegel jedoch nicht, sondern nehmen eine andere Richtung. Ich trotte einfach mal hinterher, will auch einen größeren Spiegel oder was auch immer da ist, wo die anderen hingehen. Und als hätte ich es geahnt: Die anderen Mädels haben ihr eigenes „ohhhh“ und „wow“ heuchelndes und mit Fotoapparaten und Prosecco ausgestattetes Gefolge dabei und drehen und wenden sich vor den Umkleiden auf einem Podest in einem riesigen Ballettspiegel. Ich drehe und wende mich dort auch kurz. Alle gucken sich an und fragen sich, wozu ich wohl gehöre. Getuschel kommt auf und Kommentare werden abgegeben, ob ich sie hören will oder nicht. Ich trotte wieder nach hinten zu meiner Allergikerin, die mich schon gesucht hat: „Ach da sind Sie. Ich wollte Sie nicht nach da vorne schicken. Da ist es schon so voll.“ Ah ja, wie rücksichtsvoll. Sie notiert einige Kleidernamen und Artikelnummern und beteuert mich anzurufen, wenn etwas nach meiner Schilderung an Kleidern reinkommen sollte. Einen Anruf habe ich bis heute nicht erhalten.

Weiter geht’s. In einem zu einer namhaften Kette gehörenden Brautmodenladen in der Innenstadt werde ich freundlich empfangen und gefragt, wo denn meine Begleitung sei. Welche Begleitung, frage ich. „Sind Sie etwa allein hier?“ Äh ja, das bin ich. „Hier steht Sie kommen in Begleitung.“ Von Begleitung ist jedoch nie die Rede gewesen. Ich erzähle, dass ich eine konkrete Vorstellung habe und auch schon Kleider anprobieren war, meistens allein, da ich ja schon groß bin. „Ach herrje und Ihr Hochzeitstermin ist ja noch über 1 Jahr hin! Sind Sie sicher, dass Sie schon einmal Kleider anprobiert haben und jetzt schon nach einem Kleid gucken wollen?“ Wie bitte?! Natürlich bin ich mir sicher, dass ich schon Brautkleider anprobiert habe. Geträumt hab ich das nicht. Was soll so ne Frage? Ich bin genervt und habe den Eindruck, dass man mir unterstellt ich würde eh nix kaufen, weil ich keine Entourage an sektschlürfenden Brautjungfern und Verwandtschaft dabei habe und mein Hochzeitstermin noch länger als 3 Monaten hin ist. Entschuldigung, dass ich auch eine eigene Meinung habe und nicht alles auf den letzten Drücker machen will! Mir wird eine junge Verkäuferin, Anfang 20, zur Seite gestellt, ich präsentiere mal wieder meine Collage und wir suchen 5-6 Kleider raus, die wir nun anprobieren. Schnell sind wir beim Du und nach kurzer Zeit stellt sich raus, dass sie den Job erst seit einer Woche macht. Soweit so gut. Vielleicht hätte sie jedoch nicht sagen sollen, dass sie vorher in einer ganz anderen Branche tätig war. Fliesen, Klos und Waschbecken verkaufen ist  nun wirklich sehr „hochzeits-unaffin“. Es fällt mir nicht schwer zu bemerken, dass sie sich unsicher ist und nicht gut berät. Ich habe Fragen, die sie mir nicht beantworten kann. Ihr „das kann man bestimmt noch ändern“ stellt sich nach einem flüchtigen Blick der herbeigerufenen Chefin auf das Kleid als „nein, das ist nicht machbar“ raus. Auch hier werde ich nicht fündig.

Den Gipfel der Unhöflichkeit erlebe ich jedoch in einem kleinen Brautmodenladen in Hamburg-Eppendorf. Trotz Termin werde ich recht unhöflich empfangen, meine Jacke wird mir nicht abgenommen geschweige denn ein Sitzplatz oder was zu trinken angeboten. Ich bin wie immer gut vorbereitet und zeige meine Collage. Doch dann geht es auch schon los: „Wo haben Sie denn diese Bilder her?! So etwas gibt es nicht! Das sind bestimmt Haute Couture Kleider. Das bekommen Sie nicht von der Stange. Sie müssen mit dem Trend gehen. Im Trend sind Tüll und FishTail-Schnitte, also das, was wir hier hängen haben.“ Ich bin perplex, fühle mich nicht ernst genommen. Was ist mit Bräuten, die Größe 46 haben? Heiraten die auch in einem Brautkleid im Meerjungfrauen-Schnitt? Kann ich mir nicht vorstellen. „Zu Ihrem Job gehört es doch aber mich zu beraten und mir vielleicht auch Kleider zu zeigen, von denen Sie meinen, dass sie mir stehen.“, entgegne ich. Die Dame merkt, dass sie mich nicht so schnell los wird, wie sie es vielleicht gern hätte, und poltert weiter: „Naja, wenn Sie mit so einer konkreten Vorstellung kommen, ist es halt schwierig noch zu beraten.“ Hä?! Ich kann es nicht fassen und habe den Eindruck, dass ich diejenige bin, die regelrecht versuchen muss, darum zu betteln eines der Kleider anziehen zu dürfen. Doch dann setzt sie dem ganzen die Krone auf: „Bei Ihren ausladenden Hüften müssen wir sowieso erst mal gucken, ob Ihnen so ein Schnitt überhaupt steht.“ Wie bitte?! Das saß. Wohlgemerkt habe ich nach wie vor meine Jacke an, und die Verkäuferin maßt sich nach 5 Minuten an über meine Hüften zu urteilen. Abgesehen davon trage ich Größe 38 und hatte schon figurbetonte, gerade geschnittene Kleider an, die mir super standen. Der Schreck jeder Brautkleidsuchenden lässt sich schließlich doch noch dazu herab mich gnädigerweise zwei Kleider anprobieren zu lassen, die merkwürdigerweise genau meiner Beschreibung entsprechen. Aber ich muss wohl nicht betonen, dass ich in diesem Laden nichts gekauft habe. Allerdings bin ich hoch motiviert eine ehrliche Bewertung über den Laden bei qype zu schreiben. Die wird dort auch in guter Gesellschaft sein, was ich so gelesen habe.

Vermutlich hatte ich bisher einfach nur Pech mit den Läden und Verkäuferinnen, an die ich da geraten bin. Andere brides to be berichten mir jedenfalls auch von positiven Erlebnissen. Schließlich suche ich ja auch nicht den Heiligen Gral oder das Bernsteinzimmer, sondern einfach nur ein schlichtes Brautkleid.

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Ein Gedanke zu “Wie ich ein Brautkleid suchte und Ungeheuerliches erlebte

  1. Ich kann ja schlecht sagen „gefällt mir“ nach der horror beschreibung ;-). meine suche war zwar ähnlich, aber nicht ganz so schrecklich: ich wollte schlichtes kleid mit taille und weitem rock (kein reif, kein tüll): eine meinte ein „meerjungfrauen“ schnitt past mir „entzückend“ – nein, ich will nicht, dass mir alle am A…. schauen und bei den Tüll-Spitzen-Reifrock-Ungeheur hiess es auch ein paar mal „aber es past Ihnen soooo gut“. Mir egal, will ich trotzdem nicht. Habe mein Kleid schlussendlich gefunden – in einem kleinen Laden mit freundlicher Bedienung. Es ist also möglich, nur nicht unterkriegen lassen 😉

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